Ioanichie der Neue von Muscel


Gedächtnis: 26. Juli
Der ehrwürdige Ioanichie der Neue von Muscel wurde nach kirchlicher Überlieferung als Kind frommer Eltern im Gebiet von Muscel geboren. Schon in jungen Jahren vernahm er den Ruf Christi, entsagte den Vergnügungen und Versuchungen der vergänglichen Welt und trat in das Kloster Cetățuia Negru Vodă im Tal der Dâmbovița ein. Dort empfing er die Mönchsweihe und wurde von erfahrenen Vätern in das Gebet, das Fasten und die übrigen Regeln des asketischen Lebens eingeführt.
Das Kloster lag in einer Gegend, die seit Jahrhunderten von Einsiedlern bewohnt wurde. An den steilen Hängen des Cetățuia-Berges und in den umliegenden Höhlen hatten sich zahlreiche Mönche niedergelassen, deren Namen größtenteils unbekannt geblieben sind. Wegen der vielen Einsiedlerzellen erhielt dieses Gebiet später den Namen Valea Chiliilor, „Tal der Zellen“. Ioanichie lernte dort viele der Einsiedler kennen und erwarb durch ihren Umgang Erfahrung im geistlichen Leben.
Nachdem er den Segen seines Abtes empfangen hatte, zog sich Ioanichie in eine Höhle im steilen Felsen des Negru-Vodă-Berges zurück. Diese Höhle, die nur schwer zugänglich war, wurde für mehr als dreißig Jahre zum Ort seiner asketischen Kämpfe. In völliger Abgeschiedenheit widmete er sich dem unablässigen Gebet, strengem Fasten und der Betrachtung Gottes. Nur einmal in der Woche kam ein Schüler zu ihm und ließ mit einem Seil ein Brot und etwas Wasser bis zum Eingang der Höhle hinab. Von Zeit zu Zeit wurden ihm auf demselben Wege durch den Abt des Klosters die heiligen Mysterien gebracht.
Wie groß seine inneren Kämpfe waren, welche Versuchungen er erduldete und zu welchem geistlichen Maß er gelangte, ist allein Gott bekannt. Die kirchliche Überlieferung bezeugt jedoch, dass er durch seine langjährige Askese und sein Gebet zur Heiligkeit gelangte. Gott offenbarte ihm die Zeit seines Hinscheidens. Daraufhin grub Ioanichie im Inneren seiner Höhle eigenhändig sein Grab und ritzte oberhalb der Stelle, an der sein Haupt ruhen sollte, die Worte in den Felsen: „Ioanichie, Schema-Mönch, 1638“.
Am 26. Juli 1638 legte er sich in das vorbereitete Grab und übergab seine Seele in Frieden den Händen des Herrn. Der Überlieferung zufolge spannte eine Spinne über seinem Leib ein dichtes Gewebe, das ihn gleich einem Grabtuch bedeckte. Da die Höhle an einer äußerst steilen und kaum zugänglichen Felswand lag, geriet sie im Laufe der Zeit in Vergessenheit. Auch der Name des Einsiedlers wurde unter den Menschen kaum noch bewahrt.
Im Jahre 1944 ließ sich Archimandrit Pimen Bărbieru, der Vorsteher des Klosters Cetățuia Negru Vodă, an einem Seil in die Höhle hinab. Dort fand er auf einem steinernen Lager die vollständig erhaltenen Gebeine des Einsiedlers. Sie waren gelblich und verströmten Wohlgeruch. Die in den Felsen gemeißelte Inschrift „Ioanichie, Schema-Mönch, 1638“ gab Zeugnis von seinem Namen und dem Jahr seines Hinscheidens.
Während der kommunistischen Herrschaft wurde angeordnet, die Reliquien auf dem Friedhof des Klosters zu bestatten. Nach dem Ende dieser Zeit und der Wiederherstellung des monastischen Lebens wurden sie erneut erhoben und zur Verehrung der Gläubigen in der Kirche des Klosters Cetățuia Negru Vodă übertragen. Zahlreiche Gläubige kamen, um an seinem Reliquienschrein zu beten, und im Kloster wurden Berichte über Gebetserhörungen und Heilungen gesammelt. Der ehrwürdige Ioanichie wird besonders als Heiler der Kranken, Beschützer der christlichen Familien und Fürsprecher jener verehrt, die keine Kinder bekommen können.
In seiner Sitzung vom 18. und 19. Juni 2009 beschloss der Heilige Synod der Rumänischen Orthodoxen Kirche, den ehrwürdigen Ioanichie den Neuen von Muscel in das Verzeichnis der Heiligen aufzunehmen. Die feierliche lokale Proklamation seiner Verherrlichung fand am 26. September 2009 in der Kathedrale von Curtea de Argeș statt. Seit dem 20. Januar 2013 befindet sich der größte Teil seiner Reliquien im Kloster Negru Vodă in Câmpulung Muscel; einzelne Teile verblieben zur Verehrung im Kloster Cetățuia Negru Vodă, unweit der Höhle, in der der ehrwürdige Ioanichie sein verborgenes Leben führte und im Herrn entschlief.
Gebete
Troparion (1. Ton)
Als Bewohner der Wüste und Engel im Leibe bist du zum Wundertäter geworden gotttragender Vater Ioanichie. Durch Fasten, Wachen und Beten empfingest du himmlische Gaben. Die Kranken und die Seelen, die voll Glauben zu dir kamen, hast du geheilt. Ehre sei dem, der Dir die Kraft gab, Ehre sei dem der Dich krönte! Ehre sei dem, der durch Dich allen Heilung bewirkt.
Kondakion (8. Ton)
Wie eine Frühlingsblume hat sich die Höhle im Valea Chiliilor geöffnet, um die wohlriechende Frucht deiner Reliquien hervorzubringen, heiliger und ehrwürdiger Ioanichie. Deshalb danken wir Gott für die empfangene Gnade und singen dir: Freue dich, ehrwürdiger Vater, Zierde der Einsiedler und Heiler der Kranken!
aus dem Rumänischen übersetzt